Blue Prince
Schon nach den ersten Momenten wird klar: Blue Prince ist kein gewöhnliches Spiel, sondern eine Erfahrung, die lange nachwirkt. Was zunächst wie ein klassisches Puzzle- oder Erkundungsspiel erscheint, entfaltet mit jeder weiteren Spielstunde eine neue Ebene – spielerisch wie erzählerisch. Gerade wenn man glaubt, das Spielsystem durchdrungen zu haben, überrascht Blue Prince mit weiteren Mechaniken, Bedeutungen und Perspektiven, die das bisher Erlebte in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Im Zentrum steht ein meisterhaft umgesetztes Environmental Storytelling: Die Geschichte wird nicht erzählt, sie wird entdeckt, zusammengesetzt und interpretiert. Diese Form der Narration macht das Spielen besonders intensiv und führt des Öfteren dazu, dass man neben das Gamepad auch ein Notizbuch legt, um Gedanken, Auffälligkeiten oder auch einfach nur absurde Hypothesen über den Zusammenhang zwischen einer neuen Information und dem bisher Erspielten festzuhalten. Unterstützt wird dies durch eine außergewöhnlich stimmige audiovisuelle Gestaltung – die detailreiche Grafik und der eindringliche Soundtrack tragen maßgeblich zur dichten Atmosphäre bei.
Durch all das entwickelt Blue Prince eine enorme Sogwirkung. Die klug gestalteten Rätsel motivieren kontinuierlich zum Weiterdenken und Weiterforschen, alleine, aber auch miteinander, denn über kaum ein Spiel des letzten Jahres haben Spieler*innen so viele Theorien ausgetauscht und Lösungen diskutiert wie über die Blaupausen des Blue Prince. Ein Spiel, das längst zum Spielerlebnis geworden ist.
Die DCP-Jury, März 2026