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Und plötzlich war sie Schauspielerin: Drei Fragen an Melina Juergens

Mittwoch, 20. März 2019

Melina Juergens ist Video Editor und Schauspielerin – eine ungewöhnliche Kombination mit einer schönen Geschichte: Während ihrer Arbeit an Hellblade: Senua's Sacrifice beim Spieleentwickler Ninja Theory, schlüpfte Melina als Platzhalterschauspielerin zu Testzwecken in die Rolle der Senua. Ihre Darstellung der Hauptprotagonistin in diesem Action-Adventure, das psychische Erkrankungen in den Fokus rückt, überzeugte so sehr, dass man ihr die Stelle dauerhaft anbot. Aus welcher Motivation heraus sie die Rolle angenommen hat, was sich für sie dadurch verändert hat und wie es für sie war, erstmals Jurorin beim DCP zu sein, verrät sie uns im Interview.

1. Eher zufällig bist Du aus Deinem Job als Video Editor bei Ninja Theory in die Hauptrolle des Spiels Hellblade: Senua's Sacrifice geraten. Ninja Theory haben mit dem Action-Adventure große Erfolge verbucht und Du als Darstellerin der Senua einen großen Bekanntheitsgrad erlangt. Wie hat diese Rolle Dein Leben verändert

Ich bin zwar schon seit 2012 bei Ninja Theory tätig, allerdings habe ich mich immer gerne eher hinter der Kamera versteckt, anstatt im Rampenlicht zu stehen. Dieser Übergang war sehr schwierig für mich, da ich selbst, wie viele andere Menschen auch, unter Angstzuständen leide und immer totale Panik hatte, vor Menschen zu performen. Das Projekt hat mir aber tatsächlich etwas dabei geholfen diese Panik zu überwinden. Zwar fällt es mir immer noch schwer, jedoch lasse ich mich von meinen Ängsten nicht mehr abhalten neue Sachen wie zum Beispiel das Schauspielern auszuprobieren.

Meine Motivation die Rolle der Senua anzunehmen, bestand hauptsächlich darin, dass ich Menschen auf psychische Krankheiten aufmerksam machen wollte, und ich mich ebenfalls meinen eigenen Ängsten stellen wollte. Mit der Unterstützung von meinem tollen Team (Ninja Theory), Neurowissenschaftlern und einer Gruppe von Menschen, die selbst persönliche Erfahrungen mit Psychosen haben (Recovery College East, Cambridge), habe ich etwas geschafft, was ich nie für möglich gehalten hätte. Also ich denke man kann sagen, dass Hellblade mein Leben schon sehr verändert hat.

2. Erstmals in diesem Jahr gehörst Du zur Jury des Deutschen Computerspielpreises. Was gefällt Dir in Deiner Rolle als Jury-Mitglied und was findest Du herausfordernd?

Es hat mich wirklich umgehauen, wie viele talentierte Spieleentwickler es in Deutschland gibt. Da ich schon seit Ewigkeiten in England wohne, habe ich mich mit deutschen Spielen bis jetzt noch nie so wirklich auseinandergesetzt. Daher war es für mich eine sehr bereichernde Erfahrung zur DCP Jury zu gehören, auch wenn es etwas herausfordernd war, da ich noch nie an einer Jurysitzung teilgenommen habe und es einfach so viele gute Nominierungen gab. Manchmal war es echt schwierig, sich auf einen Gewinner festzulegen, aber ich denke zusammen mit dem Rest der Jury haben wir für jede Kategorie die richtige Entscheidung getroffen.

3. Wie geht es bei Dir weiter? Bleibst Du der Games-Branche treu, oder sind weitere Schauspiel-Projekte geplant? Oder lässt sich das auch in Zukunft gut vereinen?

Momentan bin ich immer noch als Video Editor bei Ninja Theory tätig, allerdings besuche ich ab und zu auch das ein oder andere Schauspiel-Casting und habe zusätzlich ein paar Stunt-Kurse absolviert. Ich denke Video Editing und Schauspielerei lassen sich auch in Zukunft weiterhin gut kombinieren und es schadet wahrscheinlich auch nicht ein zweites Standbein zu haben, falls es mit einem der Jobs doch nichts werden sollte.