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"Spielmacher sind Teil einer großen kulturellen Familie" - Unser Juryvorsitzender Olaf Zimmermann im Interview

Sonntag, 07. April 2019

Kurz vor der großen Gala zum Deutschen Computerspielpreis 2019 sprachen wir mit unserem Juryvorsitzenden Olaf Zimmermann. Der gebürtige Hesse ist seit 1997 Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und begleitet den Deutschen Computerspielpreis bereits seit vielen Jahren.

1. Seit 2015 sind Sie Mitglied der Hauptjury und haben seit 2018 den Juryvorsitz inne. Was hat sich in dieser Zeit an der Juryarbeit verändert?

Eine Jury entscheidet frei und jedes Mitglied nach seinen fachlichen und persönlichen Einschätzungen. Ich als Juryvorsitzender habe hauptsächlich die Aufgabe, diese Autonomie der Jury zu sichern. Dafür braucht man klare Regeln, also eine Geschäftsordnung, die es gibt und die ich streng in den Jurysitzungen unter meinem Vorsitz eingehalten habe. Man kann die Entscheidungen der Jury gut oder schlecht finden, man kann aber sicher sein, dass sie durch Expertinnen und Experten getroffen wurden und die Entscheidungen ordnungsgemäß zustande gekommen sind.

2. Wie haben Sie die Juryarbeit in diesem Jahr erlebt und wie beurteilen Sie den kulturellen Wert der eingereichten und nominierten Spiele?

Games sind Kultur, die Frage nach dem grundsätzlichen kulturellen Wert stellt sich für mich nicht, weil er generell vorhanden ist. Ich stelle auch nicht die Frage nach dem grundsätzlichen kulturellen Wert eines neuen Romans oder eines Films. Die Jury hat ihre Entscheidung sicher auch unter kulturellen Prämissen getroffen, lassen Sie sich überraschen.

3. "Games in der Mitte der Gesellschaft angekommen". Wenn dieser Satz beim DCP fällt, schmunzelt die Games-Branche. Ist diese Botschaft nicht schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit oder was könnten Spielemacher tun, um noch mehr Akzeptanz für das Medium Computerspiel zu erzielen?

Manche in der Games-Branche scheinen selbst oftmals etwas schockiert über die wachsende gesellschaftliche Anerkennung zu sein. Ja, man hat sich manchmal in seiner Nische nett eingerichtet. Spielmacher sind Teil einer großen kulturellen Familie zu der u.a. die Theater, die Buchverlage und die Bildenden Künstler gehören. Jeder in der Games-Branche sollte an den gemeinsamen Aktivitäten lustvoll teilnehmen.

4. Das Interesse am Deutschen Computerspielpreis in Politik und Medien wächst Jahr für Jahr. Wie sollte sich der Preis weiterentwickeln, um künftig noch mehr Aufmerksamkeit zu wecken?

Der Preis hat an öffentlicher Wahrnehmung, gerade auch im politischen Bereich, deutlich zugelegt. Der Preis ist dabei, sich in die Reihe der großen Kulturpreise in Deutschland einzuordnen. Das war immer mein Ziel und ich würde es gut finden, wenn das kulturelle Profil des Preises noch weiter geschärft werden könnte.