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Einreichung von Spielen beim DCP ist Pflichtaufgabe - Dieter Schoeller, CEO & Founder Headup GmbH, im Interview

Montag, 20. Januar 2020

Dieter Schoeller ist CEO & Founder der Headup GmbH und kennt die deutsche Games-Branche wie seine Westentasche. Hier spricht er über den DCP und seinen Vorjahres-Gewinn als Publisher von Trüberbrook.

  1. Ihr habt mit dem Mystery Adventure Trüberbrook im vergangenen Jahr gleich zweimal die DCP-Trophäe mit nach Hause nehmen dürfen. Einmal für die „Beste Inszenierung“ und dann habt ihr zu guter Letzt den Hauptpreis gezogen: Trüberbrook wurde als „Bestes Deutsches Spiel“ 2019 ausgezeichnet. Was hat der DCP-Gewinn für Trüberbrook bedeutet?

Trüberbrook war ganz genregetreu ein echtes Abenteuer für das Entwicklungsstudio der bildtonfabrik und uns. Nachdem Florian Köhne (Lead Designer) und ich uns erstmalig beim DCP in München kennengelernt hatten, war schnell klar, dass die zwischenmenschlichen Voraussetzungen für eine gute Partnerschaft vorlagen. Nach der Odyssee der Entwicklung und Vermarktung war die zweifache Auszeichnung sozusagen der Einlauf in die Zielgrade als Ende einer anstrengenden und zeitgleich wunderschönen Kreativzeit.

  1. Als Geschäftsführer von Headup bist Du für das Publishing verantwortlich. Hat Euch der Gewinn des DCP bei der Vermarktung des Spiels geholfen?

Da Trüberbrook aufgrund des Genres, des Settings in der Provinz und der besonders namenhaften deutschen Synchronsprecher, unter anderen Nora Tschirner und Jan Böhmermann, besonders im hiesigen Markt plattformübergreifendes Interesse erzeugt hat, hat der DCP-Gewinn die Vermarktung nochmals wunderbar unterstützt und verstärkt. Im Schatten der Blockbuster-Vermarktung der großen Spieleanbieter hat dies der Kampagne einen guten zusätzlichen Push gegeben.

  1. Warum würdest Du Entwickler-Teams, die vielleicht noch zögern, ihr Werk zum DCP 2020 einzureichen, raten, dies unbedingt zu tun?

Warum sollte man hier zögern? Der Worst Case ist lediglich, dass man nicht nominiert wird. Dann hat man jedoch auch nichts verloren. Im besten Falle erhält man jedoch neben der renommierten Auszeichnung (und dem nicht zu vernachlässigenden Preisgeld) einen wundervollen Eventabend, baut sein Netzwerk und sein Learning aus und vieles mehr. Als lokaler Spieleentwickler gehört die Einreichung der eigenen Spiele beim DCP für mich genauso zu den Pflichtaufgaben wie die Entwicklung des Spiels selbst.

  1. Du bist selbst auch ein erfahrendes Jury-Mitglied des DCP. Was ist Dir bei der Beurteilung eines Spieles am Wichtigsten?

Ich habe das große Glück, langjährig im Konzept- und Nachwuchsbereich der Jury tätig zu sein, einem Bereich, der etwas außerhalb der anderen Kategorien rangiert. Schließlich wird hier nicht einfach nominiert, sondern direkt mehrfach ausgezeichnet. In diesem Bereich zählt nicht primär der Produktionswert oder das Budget des Spiels, sondern die Vision und Kreativität der Entwickler. Diese, gepaart mit einer realistischen Fertigkeiten- und Umsetzbarkeitseinschätzung, sind für mich hier sehr entscheidend.

  1. Du beobachtest die Entwicklung des Deutschen Computerspielpreises schon lange. Warum braucht es diesen Preis und welche Bedeutung hat er für die Games-Branche?

Der Deutsche Computerspielpreis hat sich mittlerweile als feste Größe etabliert und bildet darüber hinaus den perfekten Rahmen, um Politik und die zum Teil noch leicht branchenfremde Medienlandschaft mit unserer zugstarken Industrie zu vernetzen. Da wir im Gegensatz zu anderen Medienbereichen fast zu einhundert Prozent produkt- und nicht personengetrieben sind, fallen die Entwickler und ihre Leistungen oftmals unter den Tisch, obwohl sie der kreativen Leistung von zum Beispiel Filmschaffenden oder Musikern qualitativ in nichts nachstehen. Umso wichtiger ist es, diese mindestens an diesem besonderen Abend ins Rampenlicht zu holen und die Leistungen hier entsprechend breit zu würdigen.

  1.  Was spielst Du momentan und warum?

Neben unseren eigenen Headup Indieperlen, die ich auch privat sehr genieße, hat mich letztes Jahr voll das Metroidvania-Fieber gepackt. Neben Hollow Knight, Ori and the Blind Forest und Guacamelee 2 haben mich zwei Titel außerordentlich überzeugt: Unser hauseigenes Outbuddies und ganz besonders das in allen Facetten nahezu perfekte Monster Boy and the Cursed Kingdom von FDG. Nebenher spiele ich zurzeit vor allem auf meinem Raspberry Pi 4 alte Klassiker wie Doom, Duke Nukem, Blood und Jedi Outcast – weil es mich einfach begeistert, Spiele mit Millionenbudget auf einer 35 Dollar-Platine lauffähig zu machen.