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Spieleratgeber: Drei Fragen an Jurymitglied Torben Kohring

Dienstag, 04. April 2017

Als Medienpädagoge und Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW setzt sich Torben Kohring täglich mit dem Thema Computerspiele in der Schule sowie in der Eltern- und Jugendarbeit auf Landesebene auseinander. Dass Spiele weitaus mehr zu bieten haben als den reinen Spaß-Faktor, dieser aber nie zu kurz kommen sollte, erläutert Torben im Interview.

 

1. Als Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW gibst Du Eltern und Lehrenden objektive Informationen zu Inhalt, Wirkung und Bindungsfaktoren von digitalen Spielen. Welche Merkmale und Eigenschaften muss ein Spiel aufweisen um das Label „pädagogisch wertvoll“ zu erhalten?

 

TK: „Pädagogisch wertvoll“ klingt ja immer erst mal nach Spaßverderber. Das ist sicherlich auch eines der Probleme, mit denen Computerspiele in Deutschland zu kämpfen haben, denn zu viel Spaß darf man beim Lernen nie haben, dann wird der Nutzen schnell in Frage gestellt. Andererseits muss man aber auch feststellen, dass digitale Spiele (wie alle anderen Medien) unterschiedlich gut für Lernprozesse genutzt werden können und hier auch noch einmal unterschieden werden muss, ob ich mich in formellen oder informellen Lernprozessen befinde. Spiele sollten Spaß machen und für die Vermittelnden einen Ansatzpunkt für den Einsatz bieten. Wir versuchen Pädagogen zu vermitteln, dass man natürlich über die Wirkung von Games reden kann, es aber erst dann pädagogisch spannend wird, wenn wir über Inhalte, Erfahrungen und Ästhetik mit den Kindern und Jugendlichen sprechen, da wir nur dann über sie selbst reden. Spiele, die sich inhaltlich versuchen mit den Problemen und Gefühlen von Menschen auseinanderzusetzen, können pädagogisch sehr gut von verschiedenen Seiten und mit verschiedenen Fragestellungen eingesetzt werden.

 

2. Unter anderem werden beim Deutschen Computerspielpreis Spiele in den Kategorien „Bestes Kinderspiel“ und „Bestes Jugendspiel“ ausgezeichnet. Was muss ein Spiel mitbringen, um Dich zu überzeugen?

 

TK: Es muss etwas bieten, das es aus der Masse hervorhebt. Kinder und Jugendliche  befinden sich in der Entwicklung und suchen auch in Spielen Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit sich selbst. Dies kann natürlich auf vielen verschiedenen Ebenen geschehen und Games müssen dabei auch nicht immer das Rad neu erfinden, sondern können auch Bekanntes einfach neu zusammensetzen und dadurch neue Spielerfahrungen schaffen. Und letztlich müssen diese Spiele bei allem Anspruch auch Spaß machen, denn fast nichts ist so langweilig wie ein Spiel, das versucht, erst am Ende des Entwicklungsprozesses den Spaß hinzuzufügen. 

 

3. Schon im Jahr 2014 hat eine Studie der Oxford Universität gezeigt, dass Kinder, die Computerspiele spielen, ausgeglichener und sozialer sind. Trotzdem hat die Nutzung von Computer- und Videospielen im Kindesalter noch immer einen schlechten Ruf. Was ist Deiner Meinung nach der Grund dafür?

 

TK: Games sind durch ihre Struktur häufig Zeitfresser. Und Kinder und Jugendliche haben immer weniger Zeit zur Verfügung, die sie frei verplanen können. Da schauen Eltern natürlich sehr kritisch auf ein Medium, das sich von diesem Kuchen nicht nur ein Stück abschneidet, sondern sich einen Großteil davon nimmt. Die Debatten der letzten Jahre hallen dann natürlich immer noch mit und man möchte gerne, dass das Kind etwas Förderliches tut. Und doch sitzen auf Elternabenden immer mehr Eltern, die sich einfach eine Meinung bilden wollen und Informationen einholen, zumal auch viele mittlerweile über eigene Spielerfahrungen verfügen. Je mehr wir über Inhalte reden und nicht den Bildschirm per se als Feind betrachten, desto einfacher wird auch der Umgang in der Familie mit dem Medium Computerspiel werden.