Artikel

Spieleförderung: Drei Fragen an Jurymitglied Michaela Haberlander

Dienstag, 28. Februar 2017

Als Förderreferentin Games beim FilmFernsehFonds (FFF) Bayern ist Dr. Michaela Haberlander die zentrale Anlaufstelle für alle bayerischen Gamesentwickler, die Förderung für die Entwicklung ihrer eigenen IPs beantragen wollen. Seit knapp acht Jahren setzt sich der FFF für die Stärkung des Spielestandortes Bayern ein und fördert Projekte mit Beträgen von bis zu über 200.000 Euro. Im Interview erklärt Michaela Haberlander, warum Politik und Branche in Zukunft noch stärker gemeinsam agieren müssen, damit der Spielestandort Deutschland international nicht den Anschluss verliert.

1. Seit 2009 setzt sich der Deutsche Computerspielpreis für die Entwicklung qualitativ hochwertiger, innovativer sowie kulturell und pädagogisch wertvoller Computer- und Videospiele „Made in Germany“ ein. Was kann seitens der Politik noch zur Förderung der Spielebranche getan werden?

MH: Im Jahr 2009 wurde der DCP auf den Weg gebracht, und im selben Jahr wurde die Bayerische Computerspielförderung installiert. Beide Maßnahmen gingen maßgeblich auf Betreiben des damaligen Medienministers Siegfried Schneider zurück. In Bayern wurde eben von der Politik die Projektförderung um 400 Prozent bis 2018 erhöht. Ich denke, die bayerische Politik hat sich in den letzten Jahren sehr mit der Games-Industrie beschäftigt, ihr Potenzial erkannt und neue Möglichkeiten für sie geschaffen. In Zukunft muss es meiner Meinung nach verstärkt darum gehen, gemeinsam - Branche und Politik -, die Position der deutschen Computerspielbranche vor allem in Hinblick auf den internationalen Markt zu stärken.

 

2. Der FilmFernsehFonds (FFF) Bayern unterstützt Entwickler nun seit knapp acht Jahren. Welche Effekte hatte die Förderung auf die bayerische Games-Branche bislang? Und inwiefern profitieren auch andere Wirtschaftsbereiche von aufstrebenden Spieleentwicklern aus Bayern?

MH: Ein vergleichender Blick in das Branchenregister von 2009 und 2017 zeigt die positiven Effekte der Gamesförderung in Bayern: Seit dem Start des Programms hat sich eine Vielzahl von Studios in Bayern, mit Hilfe der Förderung, gründen und im Markt etablieren können. Um ein paar Beispiele zu nennen: Mimimi, Aesir Interactive, Klonk, Reality Twist, Fairytale Distillery, funline Media, Cribster, bumm game etc. haben ihre ersten Schritte in diesen Markt mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat Bayern getan. Wer weiß, wie es ohne die Förderung gelaufen wäre, aber dass dieses Geld gerade in der Anfangsphase ganz wichtig war, darüber sind sich alle einig. Damit ist eine der Zielsetzungen der bayerischen Wirtschaftspolitik erfüllt worden: ein Wurzelgeflecht an Gamestudios am Standort zu erhalten, die durch ihr Knowhow den Digitalisierungsprozess voranbringen. Und damit bin ich beim zweiten Teil Ihrer Frage: Gerade weil in Bayern frühzeitig das Potenzial der hiesigen Gamesbranche erkannt wurde, wird viel dafür getan, die Vernetzung mit anderen Wirtschaftszweigen voranzutreiben. Als strategischer Player ist hier die BLM zu nennen, die u.a. die Gamesbranche mit anderen Gewerken vernetzt. Aber auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), unterstützt vom lokalen Entwicklern, ist auf diesem Gebiet seit vielen Jahren engagiert. Im März steht wieder die GamifyCon 2017-Konferenz an, in der es darum geht, aktuelle Gamestechnologien anderen Wirtschaftszweigen zu präsentieren. Zahlreiche unserer Entwicklerstudios haben diese Art der Zusammenarbeit als Chance für sich erkannt und arbeiten neben der Entwicklung ihrer eigenen IPs als Dienstleister für andere Wirtschaftszweige. Auch die zahlreichen Gründerzentren in Bayern, allen voran das WERK1 in München, tragen dazu bei, die kreative Vielfalt und Schaffenskraft in Bayern weiter voran zu bringen.

 

3. Würden Sie zustimmen, dass politische Entscheidungsträger, die mit Computer- und Videospielen aufgewachsen sind, anders über die Relevanz des Mediums urteilen, als ältere Kollegen, die digitale Spiele eher aus einer Eltern-Perspektive kennen?

MH: Es mag sein, dass Politiker mit Games-Erfahrung einen anderen Zugang zu der Materie haben. Aber ein Politiker kann sich ja schon vom Prinzip her nicht nur um das kümmern, was ihm Spaß macht, sondern trägt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Die Politik beurteilt komplexe Zusammenhänge und zeigt hierfür Lösungswege und Herangehensweisen auf, unabhängig von persönlichen Vorlieben. Außerdem sind die Zeiten, in denen es Politiker ohne Smartphone gab, definitiv vorbei.