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Leidenschaft für Computerspiele: Drei Fragen an die Juryvorsitzende Dorothee Bär

Donnerstag, 20. April 2017

Dorothee Bär ist Staatssekretärin im Berliner Bundesverkehrsministerium, Vorsitzende des Netzpolitik-Arbeitskreises CSUnet und Gründungsmitglied des Deutschen Computerspielpreises. Seit mehreren Jahren ist die fränkische Bundestagsabgeordnete treibende Kraft hinter der Auszeichnung, engagiert sich auf vielfältige Weise für Computer- und Videospiele und steht wie kein anderer Politiker für den DCP. Im Interview spricht die Juryvorsitzende über ihre Spieleleidenschaft,  ihren Einsatz beim DCP und wie Deutschland als Entwicklerstandort gestärkt werden kann. 

 

1. Sie sind Gründungsmitglied des Deutschen Computerspielpreises (DCP) und in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zur Vorsitzenden der Jury ernannt worden. Welchen Stellenwert hat der DCP für die deutsche Games-Branche Politik und was bedeutet Ihnen Ihr Engagement in der Jury persönlich?

 

DB: Der DCP ist das zentrale Förderinstrument der Bundesregierung für die Computerspielbranche und wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Deutschen Bundestages eingerichtet. Unsere Ziele sind u.a. die grundlegende Verbesserung der Akzeptanz des Mediums, Stärkung des Produktionsstandortes Deutschland und Verbesserung des Angebots an qualitativ hochwertigen Computerspielen. Wir möchten, dass das Computerspiel auch im Vergleich mit dem Medium Buch oder Film als gleichwertiges Kulturgut in Deutschland angesehen wird und wollen mit dem DCP die Aufmerksamkeit auf hervorragende Computerspiele aus Deutschland lenken, ihre Entwickler und Publisher ehren und Empfehlungen aussprechen. Dabei haben wir erfahrene Gamerinnen und Gamer ebenso im Blick wie beispielsweise Eltern von Kindern und Jugendlichen, die Tipps oder Hilfestellungen benötigen, weil sie mit der Materie oder bestimmten Genres weniger vertraut sind. Daher ist uns neben einer finanziellen Förderung durch die Preisgelder auch wichtig, dass wir mit der Gala möglichst große Teile der Gesellschaft ansprechen.

 

Nachdem ich den Deutschen Computerspiel Preis mitbegründet habe, durfte ich von Anfang an Mitglied der Jury sein, in den vergangenen Jahren sogar Juryvorsitzende und ich habe durchaus Lust, weiter zu in der Jury zu arbeiten. Man muss aber auch ganz ehrlich sein: Mit der Bundestagswahl werden die Karten neu gemischt und natürlich entscheiden damit die Wählerinnen und Wähler auch über die politischen Mitglieder der Jury, egal wie ausgeprägt deren Gamesleidenschaft ist.

 

2. Wenige Politiker in Deutschland sind so medienaffin wie Sie. Wie entstand Ihre Leidenschaft für Computerspiele und digitale Medien?

 

DB: Das kam zunächst durch meinen Bruder, über den ich so manche Games in meiner Kindheit kennengelernt habe und die wir auch gern zusammen gespielt haben. So kam ich zum Gaming und musste mir später als Politikerin von vielen Kolleginnen und Kollegen heftige Kritik anhören, wenn es um "Das Computerspiel" und die vermeintlich schlechte Wirkung auf Kinder und Jugendliche ging. Ich habe diese Kritik so pauschal nie verstanden und habe auch innerhalb meiner eigenen Partei viele Kämpfe ausgefochten. Glücklicherweise konnte ich dabei gute Überzeugungsarbeit leisten und das eine oder andere Vorurteil abbauen. Was die digitalen Medien allgemein betrifft, war ich von Anfang an von den vielen neuen Kommunikationsmöglichkeiten fasziniert und davon, wie die Technologie den Alltag von uns allen mehr oder weniger plötzlich revolutionierte. Auch hier sagten manche, ich solle mich doch um die "wichtigen" Themen kümmern. Aber das spornte mich nur umso mehr an, die Relevanz dieser Entwicklungen in den breiten Diskurs zu tragen.

 

3. Die Spieleindustrie zählt heute zu den prägenden Zweigen der Kreativwirtschaft. Doch die Schwergewichte der Branche kommen vorwiegend aus Nordamerika und Asien. Was kann die Politik über den DCP hinaus tun, um die deutschen Spieleentwickler zu stärken?

 

DB: Der in Deutschland mit Computerspielen erzielte Umsatz wird leider zu einem immer geringeren Anteil in Deutschland selbst erwirtschaftet. Kanada hat gezeigt, dass man mit einer attraktiven finanziellen Unterstützung viele Arbeitsplätze in der Computerspielbranche gewinnen kann. Deutschland baut aktuell die Filmförderung aus, um die deutsche Filmbranche zu stärken, neue Arbeitsplätze zu schaffen und eigene kulturelle Werte besser transportieren zu können. Ich werde mich dafür einsetzen, dass in der nächsten Legislaturperiode auch eine strukturelle Games-Förderung auf Bundesebene beschlossen wird.

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Akzeptanz von Computerspielen als wichtiges Kultur- und Wirtschaftsgut und als Innovationsmotor bei der Digitalisierung muss weiter gesteigert werden. Wir verschenken unheimlich viel Potenzial, wenn vielen Sinn und der Nutzen von Computerspielen nicht klar ist. Dies zu ändern ist zwar primär die Aufgabe der Games-Branche, aber die Politik kann und sollte hier unterstützen.

Es gibt noch weitere Herausforderungen für die Computerspielbranche, bei denen Politikerinnen und Politiker gemeinsam mit der Wirtschaft Lösungen entwickeln können, um die Branche wettbewerbsfähiger zu machen. Dabei kann stärkere finanzielle Förderung nur ein Baustein von vielen sein. Um erfolgreich wachsen zu können, brauchen die Unternehmen u.a. auch ausreichend entsprechend gut qualifizierte Teams, gute internationale Vernetzung und ausreichenden Zugang zu Krediten aus der Wirtschaft.