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Kids an der Konsole – ein Kinderspiel? Drei Fragen an Jurymitglied Thomas Feibel

Dienstag, 20. Februar 2018

Thomas Feibel ist der führende Medienexperte in Sachen Kinder und Digitales in Deutschland und leitet das Büro für Kindermedien in Berlin. Als Kinder- und Jugendbuchautor widmet er sich Themen wie Cybermobbing und dem Aufwachsen in unserer digitalen Welt. Er hält Workshops zum richtigen Medienumgang in Schulen und arbeitet als Journalist u.a. für c't, WDR und Deutschlandradio. Seit 2002 vergibt er gemeinsam mit der Family Media den Deutschen Kindersoftwarepreis TOMMI. Klar, dass ein Experte zu diesem Thema in der Jury des Deutschen Computerspielpreises (DCP) nicht fehlen darf.

1. Der Deutsche Computerspielpreis wird unter anderen in den Kategorien „Bestes Kinderspiel“ und „Bestes Jugendspiel“ verliehen. Worauf wirst Du als Initiator des Kindersoftwarepreis TOMMI und Experte in Sachen „Kinder und Computer“ ein besonderes Augenmerk bei deiner Juryarbeit legen?

Ich bin ja eigentlich ein zehnjähriger Junge, gefangen im Körper dieses Mannes, und will mit neuen Ideen und Innovationen überrascht werden. Dabei stehen Spielidee, Spielspaß und Wiederspielwert im Vordergrund. Gerade in Bezug auf Kinder müssen meiner Meinung nach Spiele mit Werbung, Lockangeboten und laxen Datenschutzpraktiken nicht gerade aufs Siegertreppchen. Schön finde ich auch, dass es sich beim DCP um Spielangebote aus Deutschland handelt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Da der DCP auch noch mit einem Preisgeld verbunden ist, halte ich die Auszeichnung für eine besonders wichtige Anerkennung, die Studios und Entwickler spürbar bestätigt und zur Weiterarbeit ermutigt.

2. Du schreibst Kinder- und Jugendbücher, in denen es oft um Themen wie Cybermobbing, Soziale Netzwerke und das Aufwachsen in der digitalen Welt geht. Wo liegen für Dich die Chancen und Risiken in der digitalen Medienwelt für Kinder und Jugendliche?

Im Gegensatz zu anderen Medien können wir alle das Netz selbst gestalten. Dabei ist es wichtig, Kinder und Jugendlichen früh genug beizubringen, damit auf der einen Seite kreativ, explorativ und spielerisch umzugehen, sie aber auf der anderen auch stark zu machen, um selbstregulativ, resilient und kompetent zu agieren. Im Klartext heißt das, sie so zu begleiten, dass aus ihrer erstaunlichen Technikkompetenz auch die vielzitierte Medienkompetenz wird. Denn Kinder können oft die Folgen ihres Handelns im Netz weder überblicken noch einschätzen, was Wildfremde von ihnen wirklich wollen. Mit meinen Büchern rege ich Kinder und Jugendliche dazu an, die Dinge zu hinterfragen.

3. Zudem hast Du für Erwachsene den Ratgeber „Jetzt pack doch mal das Handy weg“ zum erzieherischen Umgang mit dem Medienkonsum unserer Kinder geschrieben. Gibt es drei „goldene Regeln“ für Eltern?

Mein Buch spannt einen deutlich größeren Bogen, als der Titel verspricht. Denn die Erziehungsaufgabe für Eltern und Pädagogen ist viel größer, als sich „nur“ darüber Gedanken zu machen, wie wir Kindern das Smartphone aus der Hand entreißen können. Heute bekommen Schüler schon in der 2. Klasse ein Smartphone und werden so viel früher mit Dingen konfrontiert, die sie überfordern oder erschrecken. Da waren wir schon mal vor den Zeiten der Mobilgeräte vorsichtiger. Sobald Kinder ein Smartphone haben, sind sie permanent „on“ und werden immer früher mit Problemstellungen wie zum Beispiel Hatespeech und Fake-News konfrontiert, aber auch mit Manipulation, ausspioniert werden und Big Data. Diese Probleme betreffen nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern uns alle. Zum ersten Mal in der Geschichte der Medien verlangen wir etwas von unseren Kindern, was wir selbst nicht können. Darum ist die Vorbildfunktion von uns Erwachsenen nicht zu unterschätzen. Außerdem müssen wir mit Kindern beim Smartphone Vereinbarungen treffen und Regeln erstellen. Das sind aber dann mehr als drei.