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Award-Profi: Drei Fragen an Jurymitglied Wolf Lang

Mittwoch, 12. April 2017

Wolf Lang ist Mitbegründer und Design Director beim Hamburger Indie Entwickler THREAKS. Mit dem musikalischen Unterwasserabenteuer Beatbuddy gewann das Studio 2014 bereits selbst den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Bestes Jugendspiel“. Worauf sich Wolf bei der diesjährigen Verleihung freut und welchen Rat er jungen Entwicklern mit auf den Weg gibt, erzählt der Hamburger im Interview.

 

1. Mit einem Preis für euer Spiel "Beatbuddy - Tale of the Guardians" beim DCP 2014 und dem „Sonderpreis der Jury“ im vergangenen Jahr für den „Indie Arena Booth“, bist du bereits DCP-erprobt. Worauf freust du dich bei der diesjährigen Verleihung?

 

WL: Ich freue mich auf einen DCP bei dem es dieses Jahr um die nominierten Games geht! Beim DCP 2014, das Jahr, in dem wir mit Beatbuddy gewonnen haben, ging es im Vorfeld leider nur um Skandale und „Gemecker“. Dabei kam leider viel zu kurz, dass dieser Preis einzigartig auf der Welt in der Höhe seiner Förderung ist und bei vielen Studios über Leben und Tod entscheiden kann…THREAKS *hust hust*. Bei einem der renommiertesten Awards der Welt dem IGF Award, zu dem jedes Jahr 800 Spiele eingereicht werden, geht es eigentlich nur um die Ehre. Selbst der Hauptgewinner bekommt „nur“ 25.000$. Manchmal machen wir uns in Deutschland einfach nicht bewusst, dass wir sehr dankbar für den DCP sein sollten. Anstatt uns aufzuregen, sollten wir uns lieber freuen, wie viele tolle neue Projekte die diesjährigen Preisträger mit der Förderung anstoßen werden! #RetroInvasion2018

 

2. In diesem Jahr entscheidest du als Jurymitglied erstmals selbst über Deutschlands beste Spiele. Worauf hast du bei deiner Wahl besonders geachtet?

 

WL: Weil ich selber Developer bin, war es mir wichtig, aus meiner Perspektive als Design Director bei THREAKS, möglichst viele Insights aus dem Alltag eines Indie Devs zu geben, der auf Award-Jagd ist. Auch wenn THREAKS schon viele Preise gewonnen und bei noch mehr Awards eingereicht haben (die meisten Einreichungen habe ich dabei gemacht), kann ich mit 7 Jahren Erfahrung mittlerweile ganz gut BULLSHIT spotten. Da ich selbst bei der einen oder anderen Einreichung wegen Zeitnot mit geringstem Aufwand ein Konstrukt aus Geschichten zusammenbasteln musste, das sich nach einer tollen Idee anhört, kenne ich die Tricks zum Einreichen und erkenne recht schnell wer sich für einen Award Custom-Mühe gegeben hat oder einfach seinen Standard Kram copy und pastet. Im Großen und Ganzen hat es mich daher gefreut, wie viel Liebe in den Anträgen steckte. Bei manchen war ich aber auch geschockt, wie wenig selbstreflektierter Mist geschrieben wurde – WIR SIND MENSCHEN IN DER JURY DIE SICH DIE EINREICHUNGEN WIRLICH ANGUCKEN!

 

3. Was bedeutet eine Auszeichnung beim Deutschen Computerspielpreis insbesondere für junge Studios, Studentenprojekte, Indies und Newcomer?

 

WL: Wie bereits erwähnt hat uns der Preis selbst mal das eigene Studio gerettet.Die meisten Awards tun nichts. Man steckt sie ein, kann sie sich auf die Homepage klatschen, in einem Publisher Pitch kurz zeigen und vielleicht macht ein Presse Mensch einmal mehr deine Review Anfrage auf, aber das war‘s. Wir wissen wovon wir reden mit 22 Auszeichnungen in den letzten 7 Jahren. Was zählt ist Kohle! Mit Geld und Gehältern macht man neue Spiele. Richtig fokussiertes Arbeiten ist nur möglich, wenn ein Team für einige Zeit an Ihrem Traumkonzept schrauben kann. Genau DAS ermöglicht einem der DCP.

 

Was ich jungen Teams an dieser Stelle mit auf den Weg geben kann:

 

  1. Wenn Ihr den Preis gewinnt oder nominiert seid, habt Ihr Euch das wirklich verdient.

 

  1. Nehmt Euch nicht zu wichtig, wenn ihr gewinnt und schenkt dem Preis nicht zu viel Aufmerksamkeit nach der Verleihung. Nach dem Award ist vor dem Award. Was zählt ist, dass ihr weiter an euren Spielen arbeitet.

 

  1. Niemand kennt diesen Award im Ausland. Nutzt das! Ihr habt nach dem Gewinn Zeit auf der GDC oder PAX, diesen Preis als „Hey ihr kennt mich nicht, aber wir haben gerade den „GERMAN VIDEO GAME AWARD gewonnen-Move“ zu bringen. Das hört sich ziemlich heftig an und öffnet die eine oder andere Tür – wenn man es bescheiden spielt.

 

  1. Der Award sollte nicht in der Nähe von Kleinkindern, Alkoholisierten oder Blinden aufbewahrt werden, weil er scharfe Kanten hat, die böse Schnittwunden verursachen können. Habe ich zumindest mal gehört.

 

  1. Schaut mal in der ganzen Selbst-Beweihräucherung, die so eine Preisverleihung mit sich bringt, nach links und rechts. Redet mit den anderen Nominierten und Gewinnern. Tauscht euch aus und bleibt in Kontakt. Wir waren zwei Mal nominiert sowohl als Studenten Team als auch als echte Firma, und dass wertvollste, was wir von den Shows mitgenommen haben, waren die tollen Gespräche und Freunde, die wir gefunden haben…ach ja und 75.000€. TSCHÜSS!!!