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Autoprofi mit Spieleleidenschaft: Drei Fragen an Lina van de Mars

Dienstag, 13. März 2018

Lina van de Mars ist ein ziemliches Allround-Talent und verbindet eine ungewöhnliche Kombination verschiedener Tätigkeiten. Bekannt ist sie als Moderatorin diverser Fernsehsendungen wie zum Beispiel „Die Autoprofis“, „Lina hilft“, „Mein neuer Alter“ und "GRIP Garage" sowie ihre Funktion als Autoexperte im „Sat.1-Frühstücksfernsehen“. Daneben ist die 38-Jährige Motorsportlerin, Mechanikerin und Schirmherrin für Frauen in der Digital-Wirtschaft im Rahmen der Initiative „Womenize“. Einen Bezug zu Games hat sie auch, deshalb wurde sie als Mitglied in die Hauptjury des Deutschen Computerspielpreises 2018 (DCP) gebeten. Woher ihre Leidenschaft für Games und ihre Ideen für einen Anstieg der Frauenquote in dieser überwiegend von Männern besetzten Branche kommen, teilt sie uns im 3-Fragen-Interview mit.

1. Lina, in diesem Jahr bist du Teil der Jury des Deutschen Computerspielpreises. Welchen Bezug hast du zu Games und was macht ein gutes Spiel für dich aus?

Racing, Strategie, Fantasy und die momentan absolut boomenden E-Sports: hier ist eine riesen Parallelwelt entstanden, welche durch immer bessere Auflösungen und Umsetzungen begeistert. Mich muss ein Spiel mitreißen. Egal ob Ego-Shooter oder Sportgame. Dass ich natürlich eher Fan von Games wie „Gran Turismo“ oder auch „Sim City“ bin, ist vielleicht nicht besonders überraschend. Aber ich bin auch ein Riesen-Fan von VR. Einfach mal abschalten vom Ernst des Lebens und sich selber challengen. Sich dabei international verknüpft zu battlen. Das finde ich mega. Es muss nicht immer das bekannteste Spiel sein, aber die Idee dahinter muss stimmen und die Umsetzung einen so mitreißen, so dass man die Realität um sich herum mal kurz vergisst. Es gibt Spiele, die einen wieder Teile des Gehirns benutzen lassen, die im Alltag vielleicht sogar verkümmern. Gerade bei Strategie - und Fantasiespielen muss man sehr konzentriert bei der Sache sein und auch mal um die Ecke denken. Ich spiele nicht jeden Tag, aber ich kenne viele Spieleentwickler auch international, mit denen man herrliche Diskussionen um alte und neue Spiele führen kann und bin darüber hinaus schon lange ein großer Fan dieser Industrie.

2. Du bist unter anderem KFZ-Mechatronikerin und TV-Autoexpertin – ein Feld, das – ähnlich wie die Spieleindustrie – überwiegend von Männern besetzt ist. Siehst du weitere Parallelen zwischen den beiden Branchen?

So wie man bei „Autos“ vermutlich erst einmal an schwarze Finger und viel Schrauberei denkt, gehören die Programmiersprache und viele Stunden vor dem Bildschirm für viele zu den Vorurteilen, die man von diesen beiden Welten hat. Dabei hat die Automobilbranche so viel mehr zu bieten. Vom Design der Fahrzeuge bis hin zu Umbauten und Motorsport. Aber eben auch sehr viel Technik, die nicht immer ölig und schmierig sein muss. In die Spieleindustrie gibt es eben auch so viel mehr, als „nur“ den Programmierer / die Programmiererin. Auch hier  arbeiten viele kleine Rädchen ineinander, um am Ende des Tages überhaupt ein neues Spiel auf den Markt bringen zu können. Dass der männliche Anteil in beiden Branchen sehr viel höher ist als der der Frauen, ist ein anderes Thema...

3. Als Schirmherrin von „Womenize!“ setzt Du Dich für die Stärkung von Frauen in männlich besetzten Berufsfeldern ein – darunter auch die Games-Branche. Was muss sich tun, um mehr Frauen für eine Karriere in der Spiele-Industrie zu begeistern?

Ähnlich wie auch bei anderen technischen Berufen, muss viel früher - also bereits zur Schulzeit  - ein viel stärkerer Zugang zu diesem Feld gewährleistet sein. Die IT- und Games- Branche boomen. Es wissen jedoch viel zu wenige Jugendliche und Schulabgänger (somit die Zukunft der Digitalwirtschaft) Bescheid über die einzelnen Felder, die eine solche Branche überhaupt ausmachen. Der Gedanke muss weiter gehen von „welches Spiel ist gerade angesagt“ zu „wie entsteht so ein Spiel überhaupt, welche Berufsfelder gibt es in der Games - Branche und welche Talente besitze ich, um hier in der Zukunft ebenfalls kreativ werden zu können“

Wir konsumieren heute schnell und viel, saugen ständig neue Informationen in uns auf, jedoch fast immer sehr oberflächlich. Nicht jeder denkt von sich aus weiter oder in die Tiefe. Greift man genau hier an, sehe ich eine Chance, zukünftig dem Nachwuchs zeigen zu können, welche verborgenen Schätze auf sie warten.

Technik wird noch immer als „Männerthema“ gesehen. Auch hier sollte ein Umdenken stattfinden. Technik hat mit Logik und Verständnis für "Dinge, die ineinander greifen" zu tun. Gerade in der Gamesindustrie verbinden sich Technik und der Kreativsektor sehr stark mit einander. Kreativität und technisches Verständnis haben nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit der Begabung die jede(r) Einzelne mitbringt.

Glaubt an Euch :) Und wagt mal ein Praktikum bei zum Beispiel einem Spieleentwickler. Ihr werdet ein mega spannendes Feld mit tollen Chancen sich selber zu verwirklichen finden!