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Am Puls der Zeit: Drei Fragen an Jurymitglied Sabiha Ghellal

Dienstag, 19. Dezember 2017

Als Professorin für „Experience & Game Design“ und Gründungsmitglied des Instituts für Games an der Hochschule der Medien in Stuttgart befasst sich Prof. Dr. Sabiha Ghellal täglich mit den neuesten technologischen Entwicklungen rund um Games. Welche Trends sie für die deutsche Spieleindustrie sieht und was sie in ihrer neuen Rolle als Jurymitglied beim DCP 2018 erwirken möchte, erzählt Sabiha Ghellal im Interview.

 

  1. Frau Ghellal, Sie sind 2018 neu in der Jury des Deutschen Computerspielpreises. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Ich freue mich schon sehr darauf, die neuesten deutschen Spiele zu spielen, und fühle mich sehr geehrt, Teil dieser Jury sein zu dürfen. Eine der Herausforderungen in der Lehre ist es, am Puls der Zeit zu bleiben, und die Jury des Deutschen Computerspielpreises gibt mir die Möglichkeit, die neuesten Entwicklungen aus der Spielebranche hautnah zu erleben. Neben dem Einblick in die deutsche Spieleentwicklerszene ist es mir ein besonders Anliegen, junge Talente zu fördern.

 

  1. Als Professorin für Interaction Design an der HDM Stuttgart beschäftigen Sie sich intensiv mit Mobile Game Design und User Interface Design. Welche Merkmale muss ein mobiles Spiel aufweisen, um Sie zu überzeugen?

Zunächst einmal muss mich das Spiel fesseln und herausfordern. Bei mobilen Spielen ist für mich die Zusammenführung von Gestik, Ästhetik und Game-Mechaniken am wichtigsten. Denn bei mobilen Spielen wird der Finger zum Joystick, zur Maus, zur Tastatur und eben auch zum Game Controller. Wenn dann noch ein paar „Features“ wie „Voice-recognition“, „Computer Vision“ oder Bewegungssensoren clever in das Spiel integriert werden, bin ich besonders begeistert. Zudem ist mir bei allen Spielen persönlich das Storytelling sehr wichtig. Ich möchte in eine Geschichte abtauchen.

 

  1. Wie innovationsstark ist die deutsche Games-Branche in Ihren Augen und wie sehen mobile Spiele in zehn Jahren aus?

Wow, die Frage musste ich schon einmal 2004 für ein AR-Spiel, welches ich bei Sony Europe entwickelt hatte, beantworten. Damals meinte ich, dass mobile AR-Spiele noch cirka zehn Jahre bräuchten, um marktfähig zu sein. Das bisher erfolgreichste AR-Spiel hat aber bis 2016 gebraucht. Ich weiß nicht, ob meine Prognosen besonders verlässlich sind.

Ich denke, wir müssen uns hierfür erst einmal Gedanken über die Bedeutung von „Mobile“ machen. Für mich sind das nicht nur Spiele, welche wir über Smartphones spielen, sondern auch „Tangible“ oder „Wearable“ Interfaces. 10 Jahre sind eine lange Zeitspanne, bis dahin können wir eventuell schon mit unserem eigenem Schatten spielen.