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Kulturelle Relevanz von Videospielen: Drei Fragen an Jurymitglied Prof. Dr. Freyermuth

Dienstag, 17. Januar 2017

Kulturelle Relevanz von Computer- und Videospielen: Drei Fragen an Jurymitglied Prof. Dr. Gundolf S. Freyermuth

 

Als Professor für Media and Game Studies an der TH Köln bringt Prof. Dr. Gundolf S. Freyermuth eine wissenschaftliche Perspektive in die DCP-Jury ein. Als einer der Gründungsdirektoren des Cologne Game Lab lehrt er tagtäglich Design und Entwicklung von Games. Dabei liegen seine Forschungsschwerpunkte auf Audiovisualität, Transmedialität, Games und Netzwerkkultur. Welche Bedeutung der DCP für die deutsche Games-Branche hat, insbesondere für die Gewinner in der Nachwuchskategorie, erläutert Gundolf Freyermuth im Interview.

 

1. Welchen Stellenwert hat der DCP für die deutsche Games-Branche und welche Bedeutung hat er Ihrer Einschätzung nach für Gewinner in der Nachwuchskategorie?

 

GF: Generell gewinnen neue Medien und Künste ihr Gewicht in den Diskursen zeitgenössischer Kultur nur mit starker Verzögerung. An drei Momenten lässt sich die wachsende kulturelle Akzeptanz ablesen. Erstens an der Aufnahme in den Kanon: 2008 bestätigte der Deutsche Kulturrat digitale Spiele als „Kulturgut“. Zweitens an der Auslobung von staatlichen oder staatlich unterstützten Preisen. Insofern hat der seit 2009 verliehene DCP bis heute auch die wesentliche Funktion, die gesellschaftliche Akzeptanz von Games zu befördern. Das dritte Moment ist die Einrichtung staatlicher Ausbildungsangebote wie etwa der Bachelor- und Master-Studiengänge am Cologne Game Lab der TH Köln seit 2010. Aus solchen Studiengängen stammen die Gewinner in der Nachwuchskategorie zu einem großen Teil. Insofern bestätigt schon die Existenz des Nachwuchspreises grundsätzlich die Entscheidung junger Menschen, sich für ein Studium im Bereich digitaler Spiele entschieden zu haben. Und er hilft natürlich im Einzelfall den glücklichen Gewinnern bei der Realisierung ihrer herausragenden Projekte.

 

2. Sie selbst sind Professor für „Media and Games Studies“ am Cologne Game Lab. Worauf werden Sie als Jurymitglied bei den nominierten Computerspielen und insbesondere bei der Kategorie „Bestes Nachwuchskonzept“ ihr Augenmerk richten?

 

GF: Nicht wenige der Juroren stammen ja aus der Games-Branche und achten – zu Recht! – auf die Professionalität und Marktfähigkeit der eingereichten Spiele und Nachwuchsprojekte. Ich sehe meine Rolle da ein wenig als Korrektiv, indem ich vorrangig Aspekte der künstlerischen Qualität, der kulturellen Relevanz und des sozialen Engagements in die Diskussion einbringe und bei meinen eigenen Entscheidungen berücksichtige; gerade auch bei Nachwuchsprojekten aus dem hochschulischen Bereich.

 

3. Nirgendwo in Europa werden mehr Computerspiele verkauft als in Deutschland. Dennoch werden viele der Spiele meist im Ausland entwickelt. Inwiefern leistet der Deutsche Computerspielpreis hier einen Beitrag für den Spielestandort Deutschland?

 

GF: Wer diese in der Tat unglückliche Situation, dass Deutschland primär ein Land der Spielekonsumenten und nicht der Spieleentwickler ist, ändern will, benötigt dazu vor allem anderen – noch vor etwa einer in der Tat sehr notwendigen stärkeren staatlichen Förderung der Branche – gut ausgebildete Fachkräfte. Ohne sie geht nichts. Wer sich aber als junger Mensch – als Schüler, als Abiturient – dazu entscheidet, in die Games-Branche zu gehen bzw. einen entsprechenden Studiengang zu absolvieren, sieht sich unverändert starken Vorbehalten ausgesetzt; seitens vieler Eltern, seitens vieler Lehrer usf. Der DCP hilft mit seinen Preisgeldern daher nicht nur den Firmen, die ihn erhalten, ökonomisch. Von ihm geht darüber hinaus eine nicht zu unterschätzende grundsätzliche soziale und kulturelle Strahlkraft aus. Die freilich noch größer ausfallen könnte, wenn der DCP in seiner Ausstattung und Ausrichtung mit den großen deutschen Filmpreisen mithalten könnte.